Mittwoch, 11. Mai 2016

Mein Freiwilligendienst bis jetzt

Inzwischen gibt es nicht mehr so viele Sachen, die neu für mich sind und die ich leicht erzählen kann. Deshalb habe ich beschlossen, jetzt erst einmal einen Überblick über meinen Freiwilligendienst bis jetzt zu schreiben. Es bleiben nur noch weniger als drei Monate, von denen ich den letzten Monat auch wieder reisen werde! Viel Zeit ist also nicht mehr. Daran denken wir auch oft, wenn es zum Beispiel um die Unterrichtsvorbereitung oder darum, was wir mit unserer Gastfamilie noch machen wollen, geht. Wir versuchen, die letzten zwei Monate im Dorf zu genießen, und möglichst viel mitzunehmen! Andererseits freue ich mich auch schon sehr auf Deutschland! Familie, Freunde und sogar deutsche Eigenheiten - also sowas wie übertriebene Bürokratie, viele Regeln und Sicherheitsbestimmungen - vermisse ich inzwischen ziemlich. ;)


Ich will einige mögliche Fragen beantworten. Zum Beispiel, ob das Jahr für mich sinnvoll war, ob es für andere sinnvoll war, für wen und auf welche Art sinnvoll...


Fangen wir mit meiner Arbeit an. Das war bei mir ja ein ziemliches Chaos. Ich habe im Colegio (Schule von der siebten bis zu zwölften Klasse) als Assistentin des Englischlehrers angefangen, was mir - kurz gesagt - keinen Spaß gemacht hat. Die Lehrer haben am Anfang nicht mit mir geredet und mich teilweise noch nicht einmal nach meinem Namen gefragt. Der Englischlehrer hat mich über nichts informiert und mir nichts erklärt. Meine Aufgabe bestand darin zu raten, wohin der Englischlehrer gehen würde und wann die Stunden wieder anfangen (die Zeiten habe ich am Anfang überhaupt nicht verstanden, weil die Lehrer erst 10 Minuten nach Pausenende in die Klassen gegangen sind, weil das Frühstück teilweise eine Viertelstunde vor Pausenbeginn abgeholt wird, usw.). Im Unterricht saß ich daneben, wenn der Lehrer etwas erklärt hat, und sollte dann aufstehen und den Kindern bei ihren Aufgaben helfen, wenn sie die machen sollten. Meistens fing der Unterricht ein bisschen später an (mind. 10 Minuten), dann wurde die Namensliste aufgerufen, dann war irgendwas zu klären oder der Lehrer war in Redestimmung und hat irgendwas Sinnloses erzählt. Als dann endlich mit dem richtigen Unterricht angefangen werden konnte, war auch schon die Hälfte der Doppelstunde vorbei. Begonnen wurde dann häufig mit irgendwelchen Erklärungen von Seiten des Lehrers oder Aufgaben, die mit der ganzen Klasse besprochen wurden. Wenn ich Glück hatte, sollten die Schüler die letzte Viertelstunde irgendwelche Aufgaben machen, bei denen ich dann helfen konnte. Häufig mussten aber auch Hefte kontrolliert werden, was die ganze Stunde in Anspruch nahm. Das waren für mich dann sehr, sehr spannende Stunden...
Weil ich am Anfang erstmal Spanisch lernen und mich einleben musste, hat es etwas gedauert, bis ich mich dann wirklich entschieden habe, meinen Arbeitsplatz zu wechseln. Außerdem muss man erstmal verstehen, wie so etwas hier funktioniert und wen man ansprechen soll. Bis zum Anfang der Sommerferien (Ende November) habe ich im Colegio verbracht und mir danach neue Arbeit gesucht.

Unser Gastvater ist der Direktor einer Außenschule (Schule, die nicht im "Hauptdorf" ist) in dem 300-Einwohner-Dorf Pampas Punta. Die Schule besteht aus einer Grundschule (bis zur sechsten Klasse) und der siebten und achten Klasse des Colegios. Im Colegio muss Englischunterricht gegeben werden und sie bekommen dafür auch Noten. Die Außenschule hat aber keinen Englischlehrer. Das war also für mich die perfekte Gelegenheit, endlich richtig zu arbeiten! Mein Spanisch war inzwischen gut genug, um unterrichten zu können, und sie wollten mich auch als Lehrerin haben. Also beschlossen wir, dass ich der gesamten Schule Englisch unterrichten würde (das waren nur acht Klassen). Als einziges Problem blieb noch meine Hinfahrt zu der Schule, weil es keinen Bus gibt, der zu einer annehmbaren Zeit dort hinfährt (es gibt einen um vier Uhr morgens). Also habe ich es am Anfang versucht zu laufen (2 1/4 Stunden in schnellem Tempo), wurde immer öfter von Lehrern mitgenommen (das geht aber nicht regelmäßig) und inzwischen werde ich eigentlich immer mitgenommen. (Laufen ist einfach zu anstrengend, wenn man dann noch unterrichten muss. Und da sind böse Hunde auf dem Weg...)
Diese Arbeit füllte aber nur drei Vormittage meiner Woche und wir beschlossen, dass ich die restlichen Vormittage bei Kimi (meiner Mitfreiwilligen) im Kindergarten mitarbeiten würde.
Das Schuljahr begann theoretisch Anfang Februar. Praktisch begann es erst zwei/drei Wochen später, weil vor und während Fasching sehr wenige Kinder zur Schule kommen. Deshalb wurde mir gesagt, dass auch ich noch nicht kommen solle. Stattdessen verbrachte ich die Zeit mit Babysitten (unseres sechsmonatigen Gastbabys Alem), kochen (fürs Mittagessen) und programmieren.
Als ich dann endlich anfangen konnte, machte mir die Arbeit sehr viel Spaß! Endlich konnte ich selbständig arbeiten und wirklich was machen! Ich habe mich zum ersten Mal in Bolivien sinnvoll gefühlt - leider erst sieben Monate nach meiner Ankunft.

Dieses Glück - bzw. dieser Arbeitsalltag - währte allerdings nicht so lange. Mitte April hatte der Englischlehrer aus dem Colegio (mit dem ich davor zusammengearbeitet habe) einen tragischen Unfall und viel ins Koma. Eine Woche später verstarb er.
Alle waren sehr geschockt und versuchten zu helfen. Als er in Sucre im Krankenhaus lag, sammelten die Lehrer Spenden um die Familie bei der Bezahlung des Krankenhausaufenthaltes zu unterstützen (Warum bezahlt das keine Versicherung? Ich weiß es nicht!).
Ich wurde gebeten im Colegio zu helfen, damit die Klassen nicht total zurückfallen (auch wenn das bei ihrem Können und dem effektiven Unterricht, den sie genossen, leicht ironisch ist). Also habe ich wieder im Colegio angefangen, aber darauf bestanden, die siebte und achte Klasse des Außendorfes weiter zu unterrichten. Die Lehrer waren viel netter (im Laufe meiner Arbeitszeit im Colegio haben sie irgendwann doch angefangen, sich für mich zu interessieren) und ich habe mich eigentlich ganz wohl gefühlt, weil ich ja richtig gearbeitet habe.
Allerdings war das Unterrichten sehr schwer, weil die Schüler mich ja als Freiwillige und "Freundin" kannten und ich anfangs keine Klassenliste hatte und auch keine Noten geben konnte. Das hat sich gebessert, aber bis zum jetzigen Zeitpunkt ist das Unterrichten im Colegio sehr anstrengend. Ich habe keine (guten) Materialien und bekomme nicht viel Respekt. Englisch interessiert die Schüler einfach überhaupt nicht und sie strengen sich auch nicht aus Pflichtbewusstsein an. Wahrscheinlich ist das in Deutschland ähnlich, aber anstrengend finde ich es trotzdem. Inzwischen finde ich es sehr verständlich, dass der Englischlehrer nicht so viel Lust zu unterrichten hatte.

Letzte Woche habe ich mir frei genommen, weil ich sowieso nur zwei Tage gearbeitet hätte. Nach meiner Rückkehr habe ich erfahren, dass es im Colegio anscheinend eine neue Englischlehrerin gibt. Das weiß ich nur von meiner kleinen Gastschwester, es ist also noch nicht sicher, was daraus jetzt folgt. Arbeite ich wieder drei Tage in Pampas Punta und zwei Tage im Kindergarten? Soll ich vielleicht trotzdem noch im Colegio arbeiten?

Ehrlich gesagt reicht es mir inzwischen an "Cambios" (Umstellungen). Ich habe das Gefühl, dass es sich - egal wo ich arbeiten werden - einfach nicht mehr lohnt, weil ich nur noch acht Wochen hier bin (wovon sicher mindestens zwei Wochen irgendwie wegfallen).

Meine Arbeit war also sehr abwechslungsreich. Es hat teilweise echt Spaß gemacht, teilweise war es sehr anstrengend und teilweise einfach langweilig.


Jetzt möchte ich mit meiner Gastfamilie weitermachen.
Sie sind alle sehr nett und haben uns sehr gut aufgenommen. Sie hatten total viel Geduld, haben uns alles dreimal erklärt und ganz viele bolivianische Traditionen gezeigt. Wir haben dementsprechend ein sehr gutes Verhältnis!
Allerdings gab es auch ein paar Probleme. Zum Beispiel am Anfang, als uns - nachdem wir es schon sehr, sehr oft gemacht haben - in einem ernsten Gespräch gesagt wurde, dass wir kein Wasser zum Trinken abkochen dürfen, weil das so viel Gas verbrauchen würde und zu viel koste. (Abgekochtes Wasser steht uns übrigens ausdrücklich zu.) Anstrengend war auch das Problem zwischen unseren Gasteltern (das sich jetzt (hoffentlich!) so langsam klärt), und die Schwangerschaft unserer Gastschwester. Wir hatten ein bisschen Pech und haben einfach das falsche Jahr erwischt! Die Situation ist zeitweise ein bisschen eskaliert (wir hatten dann auch noch richtig viel Schimmel in unseren beiden Schlafräumen und irgendwie hat sich da niemand drum gekümmert und uns waren die Hände ziemlich gebunden), bis alles in einem klärenden Gespräch gipfelte. Inzwischen hat sich das Ganze geklärt und normalisiert und alles ist wieder gut. :)


Ein wichtiger Faktor sind meistens auch die Mitfreiwilligen.
Ich finde unsere Kombination ziemlich gut! Wir sind zwar alle sehr verschieden und es war schon teilweise echt anstrengend (z.B. weil wir zu dritt in einem (kleinen) Zimmer wohnen), aber es macht meistens total Spaß! Wir kochen zusammen, verzweifeln zusammen und gehen zusammen in der Dorfdisko tanzen. Es ist sehr lustig!


Insgesamt habe ich während meiner bisherigen Zeit hier übrigens sehr oft darüber nachgedacht, nach Hause zu fahren. Vor allem im ersten Halbjahr, als ich quasi nicht gearbeitet habe, dachte ich mir oft, dass ich auch einfach reisen/Geld verdienen/... könnte.


Damit komme ich jetzt zu einem Fazit. Erstmal ganz generell finde ich es wichtig, dass der Leser/die Leserin weiß, dass ich freiwillige soziale Arbeit in Bolivien (weltwärts oder IJFD) sehr lohnenswert finde! Ich weiß nicht, wie das in anderen Ländern ist, aber hier in Bolivien haben wir als Freiwillige zwei Hauptaufgaben: Wir sollen einerseits natürlich arbeiten (also Englisch unterrichten oder ähnliches tun) und andererseits - und das ist meiner Meinung nach noch wichtiger - geht es darum, andere Kulturen und ein Verständnis dafür zu vermitteln.
(Deutschland gibt für Freiwilligenaufenthalte allerdings nicht nur aus diesen altruistischen Gründen so viel Geld aus: Wir Freiwilligen sollen auch Verständnis für andere Kulturen, Toleranz, Sprachen, Selbständigkeit, usw. lernen und dann unsere Erfahrungen in Deutschland teilen, damit Bolivien und seine Kultur weniger mystisch und stattdessen bekannter wird.
Und Deutschland hat auch etwas davon, wenn die Bolivianer die deutsche Kultur kennen und schätzen lernen.)

In dem Sinne war auch mein Freiwilligendienst definitiv nicht sinnlos! Ich habe sehr vielen Menschen einen kleinen Teil unserer Kultur gezeigt - einfach dadurch, wie ich mich im Alltag verhalte. Und ich habe dank unserer Gastfamilie ganz viel von der bolivianischen Kultur kennengelernt. Und meine Arbeit wurde dann ja immer besser (auch wenn die Zeit so kurz war, dass ich nicht so viel vermitteln konnte). Auch wenn ich oft Zweifel hatte und es sehr anstrengend ist und war, bereue ich meinen Freiwilligendienst deshalb auf keinen Fall! Ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, so viel über Bolivien, andere Menschen und mich selber zu lernen! Und ich empfehle es allen, die Lust darauf haben! Es wird sicher kein langweiliges Jahr! ;)

Sonntag, 6. März 2016

Evo Morales zur erneuten Wiederwahl?

Ich weiß: Ich sollte einfach regelmäßiger ein bisschen weniger schreiben, anstatt nach drei Monaten dann wieder drei Einträge... Klappt nur leider nicht.

Deshalb jetzt noch ein dritter Eintrag zu der Wahl am vorletzten Wochenende. :)

Evo Morales ließ darüber über eine Verfassungsänderung abstimmen, mit der ein Präsident sich auch lebenslang immer wieder zur Wahl stellen könnte. Unter seiner Präsidentschaft wurde von ihm nämlich 2009 die neue Verfassung verabschiedet, laut der ein Präsident nur zwei Amtszeiten regieren darf.
Die Wahl war ziemlich spannend:
Einerseits hat Evo Morales sehr viel - vor allem für die indigene Landbevölkerung - zum Guten verändert und modernisiert. Deshalb kommt der Großteil seiner Wähler vom "Campo" (Land). Von diesen Wählern war zu erwarten, dass sie eher für eine Verfassungsänderung sind, was für mich sehr nachvollziehbar ist.
Andererseits gab es in Bolivien im letzten Jahrhundert einige Probleme mit Präsidenten, die ihr Amt dann nicht mehr abgeben wollten - und solches Verhalten wird durch eine Verfassungsänderung irgendwie begünstigt... Evo Morales repräsentiert bei traditionellen Festen den Inka (den lebenslangen Herrscher der Inkakultur). Es scheint so, als würde er der Inkatradition folgen wollen.

Und jetzt - für alle, die es nicht sowieso irgendwo gelesen haben - das Ergebnis der Abstimmung: "No"!

Als ich das erfahren habe, was ich erleichtert. Es ist zwar wahrscheinlich schwer, jemanden zu finden, der Evo an Innovationen übertreffen kann, aber eine Änderung an der Spitze (allerdings eh erst in drei Jahren) tut dem Land sicher trotzdem gut...

Übrigens: Evo Morales wollte die Verfassung nach deutschem Vorbild ändern. In Deutschland dürfe ein(e) Präsident(in) auch lebenslang wiedergewählt werden und es würde niemandem schaden.


Samstag, 5. März 2016

Als weißes Mädchen in Bolivien...

... hat man es gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man auch in Deutschland schon feministisch war. Wenn man es noch nicht war und genug Zeit hier verbringt, bin ich sicher, dass man es nach der Rückkehr ist!

Letztens bin ich im Schlafanzug, mit ungekämmten Haaren und noch ziemlich fertig, zum nächsten Laden gelaufen, um dort irgendwas Kleines zu kaufen, und mir wurde drei Mal hinterhergepfiffen! Vor Kurzem sind wir drei Mädchen auf den nächsten Hügel gelaufen und sind dabei an drei Männern im Studentenalter vorbeigelaufen. Die haben dann so getan, als würden sie das Dorf fotografieren, damit sie ein Foto von uns machen können. Außerdem haben sie uns doof angemacht und sind uns dann noch wie Kindergartenkinder um die Ecke gefolgt.
Fünf Minuten davor sind wir an einem Typen aus dem Colegio vorbeigelaufen. Er stand einen halben Meter von uns entfernt und hat - statt zu grüßen - einfach nur gestarrt. Es schien ihm auch nicht peinlich zu sein oder so.
Außerdem machen uns Männer an, die eine Familie - und wahrscheinlich auch eine Frau - haben und deren Kinder wir sein könnten...

Wie das von den Männern gemeint ist, wissen wir nicht genau. Vielleicht denken sie, dass wir das als Kompliment sehen? Oder sie finden es lustig. Oder sie denken einfach gar nichts...
Ich glaube, dass es am Schlimmsten ist, weil wir weiß sind. Vielleicht sind die Männer einfach irritiert, weil sie "uns" nur aus Fernsehserien (als Barbiepuppen) kennen und behandeln uns dann so, wie sie es im Fernsehen mitbekommen.
Ironischerweise führt das dazu, dass man sich mit den meisten Jungs nicht einfach anfreunden oder unterhalten kann und mit den meisten Mädchen auch nicht, weil sie uns eher als Bedrohung ansehen - als würden wir ihnen ihre Männer wegschnappen. Allerdings: Das gilt natürlich nicht für alle!

Hier gibt es jedenfalls häufig eine sehr klare Einteilung in weiblich-männlich, kochen-nicht kochen und Haushalt-nicht Haushalt. Ich werde dafür immer sensibler! Und immer wütender, wenn mir diese seltsamen Ungerechtigkeiten mal wieder auffallen... Andererseits hat diese Einteilung ja schon eine historische Begründung, die hier auf dem Land wahrscheinlich noch sinnvoll ist. Ich weiß es einfach nicht, weil ich dazu zu wenig mitbekomme. Deshalb versuche ich grundsätzlich so wenig wie möglich zu beurteilen. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass unser kleiner Gastbruder im Vergleich zu unserer Gastschwester viel zu wenig macht, dann stört mich das natürlich trotzdem.

Letztens haben wir ihn einfach mal dazu gebracht, uns beim Kochen zu helfen. Erstes Erfolgserlebnis! ;)

Und jetzt?

Nach der Reise im Januar und dem Zwischenseminar danach, ging es endlich wieder nach Sopachuy. (Bilder zu der Reise folgen hoffentlich noch.) Da ich im letzten halben Jahr genug herumgesessen bin, habe ich beschlossen, meine Arbeit zu ändern und mich darum gekümmert, dass ich in Pampas Puntas unterrichten kann.
Pampas Puntas ist mit dem Auto eine halbe Stunde von der Stadt Sopachuy entfernt und ungefähr 300 Einwohner groß (das ist aber nur meine Schätzung). Die Schule dort geht bis zur achten Klasse und mein Gastvater arbeitet als ihr Direktor.
Das Wichtigste jedoch ist: In Pampas Puntas gibt es *Trommelwirbel* noch keinen Englischlehrer!

Es gab allerdings ein paar Startschwierigkeiten, denn das neue Schuljahr beginnt hier kurz vor Fasching. Und da alle Fasching feiern, sind die ersten zwei Wochen fast keine Kinder in der Schule. Also wurde mir einfach direkt gesagt, dass ich in diesen Wochen nicht kommen muss. In der dritten Woche hat das Arbeiten aus einem Grund, den ich schon wieder vergessen habe, auch nicht funktioniert. Also habe ich erst diese (inzwischen ist es schon die vorletzte) Woche angefangen zu arbeiten! Endlich...
Ironischerweise war ich am zweiten Arbeitstag plötzlich richtig krank, weil ich mich beim Motorradfahren nach Pampas Puntas extrem erkältet habe. Ansonsten hat mir die Arbeit sehr Spaß gemacht! Auch die Menschen in Pampas Puntas sind von Anfang an total nett! (Habe ich erzählt, dass die meisten in Sopachuy zu Beginn richtig unfreundlich waren? Das hat sich inzwischen aber zum Glück gelöst.)

In Pampas Puntas arbeite ich drei Vormittage in der Woche. Nachmittags arbeite ich im Salon de Juegos (einem Spielesalon für die Grundschulkinder in Sopachuy) und an den anderen beiden Vormittagen wollte ich eigentlich in Sopachuy im Computerunterricht mitarbeiten. Heute (!!) habe ich herausgefunden, dass ich dafür doch nicht gebraucht werde. (Die Organsation von dieser Arbeit war ein ewiges Hin- und Her!) Letzten Donnerstag habe ich zum ersten Mal im Kindergarten in Sopachuy mitgeholfen, wo auch eine Mitfreiwillige von mir arbeitet.

Fasching in Sopachuy wurde nicht großartig gefeiert. Man konnte nicht durch die Straßen laufen ohne nass gemacht werden, aber abgesehen davon gab es nur einen Umzug am Freitagvormittag, den ich dooferweise verpasst habe, weil ich auf das kleine Gastbaby aufgepasst habe.
Die Stimmung war ganz anders als in Deutschland: Durch die Hitze hat man sich über das Wasser total gefreut, und es war schöner als das kalte Rumstehen in Deutschland. Obwohl Fasching immer noch nicht mein Lieblingsfest ist...

Außerdem gibt es hier momentan total viele Mücken! Wir sind alle ein bisschen am Verzweifeln, weil diese Viecher leider auch einfach nicht schlafen wollen! Morgens, mittags, abends und nachts sind die auf den Beinen (äh, in der Luft).

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachten

Weihnachten bemerkt man hier nur auf den Plätzen, die reichlich geschmückt sind! Über den Geschmack der Schmückungen kann man sich streiten… ;)
Es ist ganz anders als in Deutschland, nicht besinnlich, nicht kalt, es werden keine Weihnachtslieder gesungen und es gibt keine Kerzen. Wir haben bis jetzt versucht, jeden Advent ein bisschen zu feiern, aber das waren eher traurige Versuche. Wie gesagt, die Vorweihnachtszeit ist hier im Alltag überhaupt nicht vorhanden! Auch Weihnachten an sich wird wahrscheinlich ganz anders. Man geht in die Messe, es gibt einen Weihnachtsbaum und eine Bescherung, aber zusätzlich wird auch noch getanzt und es wird voll und laut. Ich bin gespannt, aber ich vermisse die deutsche Weihnachtszeit schon ziemlich und würde sie bevorzugen!

Kurz nach Weihnachten fange ich dann mit meiner großen Reise an! Die nächsten Einträge folgen also erst Ende Januar, weil ich mein Laptop nicht mitnehmen kann.

Bis dahin FROHE WEIHNACHTEN UND EINEN GUTEN RUTSCH INS NEUE JAHR! :-)

Meine erste Reise

In Sopachuy und wahrscheinlich auch in ganz Bolivien beginnen die Sommerferien Anfang Dezember und enden erst Ende Januar! Deshalb reisen jetzt die meisten Freiwilligen und schauen sich so viel wie möglich an. Sechs von uns Mädchen haben Anfang Dezember schon eine Tour von Sucre bis nach La Paz über Potosí (die Stadt mit dem Silberberg) und Uyuni (die Stadt an der Salzwüste) gemacht. Das war ziemlich toll!

Ein kleines bisschen Weihnachtlichkeit in Sucre. Geschmackvoll?
Auf dem Weg nach Potosí (4000 Meter über dem Meer) ist es noch relativ grün.
Potosí von Weitem - nicht mehr ganz so grün.

Hier sieht man, wie früher in der Silberstadt die Münzen geprägt wurden.
Der Blick auf den "Cerro Rico", den reichen Silberberg, von der Stadt aus.
  
Der Berg von Nahem. Hier wird kreuz und quer abgebaut.
Der Eingang zu einer der Minen. Man sieht, dass alles nicht sehr gesichert und ziemlich gefährlich ist. Die Schicksale vieler Minenarbeiter waren schrecklich!
Es gab mal wieder eine bunte "Plaza".

An dem Sonntag war auch der dritte Advent. Um ein bisschen Vorweihnachtszeit zu erschaffen, haben wir uns behelfsmäßig einen Adventskalender gebastelt - die Köchin war sicher nicht erfreut über das Wachs auf dem Teller...

Die Salzwüste!!!

Eine Kakteeninsel mitten in der Salzwüste.

Unsere erste Unterkunft auf der dreitägigen Tour durch Salzwüste und Nationalpark im Südwesten Boliviens. Die Unterkunft war fast vollkommen aus Salz! (Schaut euch mal genauer den Boden an.)
Im Nationalpark konnte man sehr viele Lagunen in den unterschiedlichsten Farben sehen! Beeindruckend!
Hier kam sehr viel Hitze aus dem Boden - außerdem gibt es viele Vulkane in der Umgebung.

Unser letzter Stopp auf dem Weg zurück in die Zivilisation: In dem Tal gab es viele Lamas. Außerdem soll es in dem Gebiet Pumas geben! Zum Glück habe ich keinen gesehen... ;)
Unser letzter Stopp auf der siebentägigen Tour durch Bolivien war La Paz, die Hauptstadt Boliviens. Hier der Blick aus einer der Gondeln, die gebaut wurden, um den vielen Verkehr von oben nach unten etwas zu erleichtern.
Während unserer Stadttour haben wir die "Mondtal" besichtigt. Diese ziemlich faszinierende Landschaft entsteht durch Erosion und verändert sich jährlich so stark, dass die Stege und Wege angepasst werden müssen.

Putzen und Hygiene

Ich finde dieses Thema relativ wichtig, deshalb möchte ich es hier kurz ansprechen.
Die Auffassung von Hygiene im Generellen hier verstehe ich selbst nach vier Monaten noch nicht ganz. Einerseits wird unser Hof jeden (!) Tag durchgewischt und auch das Bad soll theoretisch alle zwei Tage geputzt werden (Hää? Jeder Hansenberger muss da wahrscheinlich lachen!).
Andererseits liegt in der Küche ziemlich viel an ziemlich seltsamen Plätzen. Der Käse liegt (ohne jegliche Verpackung auf dem Fensterbrett), das Fleisch liegt (auch ohne eine Verpackung) einfach so im Kühlschrank, usw. Warum die Hygiene im Bad so viel wichtiger ist als in der Küche, erschließt sich mir nicht so ganz… Ein ziemlich guter Platz für Krankheitserreger müsste in der Schule sein; es gibt jeden zweiten Vormittag warmes Essen in der Schule. Dafür gibt es aber keine Cafeteria oder so, sondern alle Schüler haben ihre eigene Schüssel, ihren Löffel und ihren Becher und gegessen wird in den Klassenräumen. Die Schüler waschen ihre Sachen in der Pause kurz ab, manchmal mit Spülmittel, manchmal ohne und öfter – wenn mal wieder Wasserausfall ist – gar nicht. Ich hatte lange Zeit keine eigene Schüssel und mir wurde immer Essen aus Schüsseln von den Schülern angeboten – ich müsste eigentlich jede Krankheit schon einmal gehabt haben. (Das Essen ist übrigens meistens sehr kalorienhaltig (es besteht hauptsächlich aus Reis oder Kartoffeln und Nudeln), so wie das Essen in ganz Bolivien größtenteils ist. An dem Essen sieht man die Unterschiede zu Deutschland sehr gut: Hier ist es noch nicht so selbstverständlich wie in Deutschland, dass man wirklich immer satt wird!)

Sehr erstauntlich finde ich es außerdem, dass es im Krankenhaus keine Handschuhe gibt! Die Ärzte müssen sich die Handschuhe selber kaufen – das machen aber nicht alle.